Total kreativ

Mary Ginster

Mary war drei Jahre alt, als ihre Eltern starben. Von da an lebte sie bei ihrer Tante Magda, die sehr streng war. Nur einmal im Monat durfte Mary ihre Großmutter besuchen – und heute war es endlich wieder so weit.
Ihre Tante brachte sie mit dem Auto hin. Kaum angekommen, fiel Mary ihrer Großmutter glücklich in die Arme. Gemeinsam gingen sie ins Haus und unterhielten sich eine Weile. Dann holte ihre Großmutter ihr ein Eis.
Währenddessen trat Mary neugierig an das große Aquarium im Wohnzimmer. Vorsichtig tippte sie mit dem Zeigefinger gegen die Wasseroberfläche. Plötzlich verlor sie das Gleichgewicht – und tauchte in das Aquarium hinein. Sie sank immer tiefer. Panik stieg in ihr auf, denn sie bekam keine Luft mehr.
Da erschien ein riesiges Seepferdchen. Verzweifelt versuchte Mary, nach seiner Flosse zu greifen. Im letzten Moment schaffte sie es. Das Seepferdchen zog sie mit sich hinab bis zum Meeresboden. Doch dort wurde Mary ohnmächtig.

Als sie wieder aufwachte, befand sie sich in einer fremden Welt. Sie lag auf einem Bett aus weichen Algen.
„Wo bin ich?“, fragte sie verwirrt.
Ein Mädchen in ihrem Alter trat zu ihr. „Du bist in Waterclear“, sagte sie freundlich. „Das ist eine Schule für Magie. Jeder von uns bekommt irgendwann ein magisches Tier.“
Mary setzte sich auf. „Was hat das mit mir zu tun?“
Das Mädchen lächelte geheimnisvoll. „Mary, deine Eltern waren etwas ganz Besonderes. Dein Vater hatte als magisches Tier einen weißen Hai.“
„Was bedeutet das?“, fragte Mary leise.
„Das bedeutet, dass du die Auserwählte bist“, erklärte das Mädchen. „Deine Mutter hatte eine Qualle – sie steht für Liebe und Fürsorge. Du bist die Einzige, die uns vor der Schwarzen Armee retten kann.“
Mary schluckte. „Wie heißt du?“
„Ich heiße Luna“, antwortete sie.
„Wie soll ich euch retten?“
„Das ist eine große Aufgabe“, sagte Luna ernst. „Selbst deine Eltern haben es versucht. Sie sind dabei ums Leben gekommen.“
Eine Träne lief Mary über die Wange. Doch sie wischte sie entschlossen weg. „Wenn es sein muss, dann versuche ich es.“
Luna nickte. „Ich helfe dir. Am besten fliegen wir zur Schwarzen Armee.“
„Fliegen? Wie denn?“
„Mit Greifen. Aber zuerst bekommst du den Speer deiner Mutter.“
Kurz darauf brachte Luna ihr den Speer. Als Mary ihn berührte, durchzuckte ein heller Blitz ihren Körper. Sie verlor erneut das Bewusstsein.
Als sie wieder zu sich kam, saß sie auf dem Rücken eines großen Rochens im Meer. Er trug sie sicher durch das Wasser. Panisch wollte sie aufspringen, doch plötzlich hörte sie eine Stimme in ihrem Kopf.„Hab keine Angst. Ich bin dein magisches Tier – dein Rochen.“
„Du kannst sprechen?“, flüsterte Mary.
„Und noch mehr als das.“
Im nächsten Moment erhob sich der Rochen aus dem Wasser und flog in die Luft. Mary staunte. Wenig später landeten sie vor einem riesigen schwarzen Haus.
„Hier ist das Hauptquartier der Schwarzen Armee“, erklang die Stimme des Rochens.
Mary nahm all ihren Mut zusammen und ging hinein. Eine dunkle Gestalt packte sie am Arm und zerrte sie in einen großen Raum. Dort wurde sie an einen Pfosten gebunden. Neben ihr stand ein Brunnen mit klarem Wasser.
Mit letzter Kraft konzentrierte sich Mary. Ihr Speer erschien plötzlich wieder in ihrer Hand. Sie schleuderte ihn durch die Luft – er traf eine Gestalt mitten ins Auge. Sie fiel zu Boden. Im selben Moment kehrte der Speer wie von Zauberhand zu Mary zurück.
Eine nach der anderen besiegte sie die dunklen Gestalten. Schließlich gelang es ihr, sich zu befreien. Doch völlig erschöpft sank sie zu Boden. Als sie wieder aufwachte, saß sie auf dem Stuhl im Wohnzimmer ihrer Großmutter.
„Was ist passiert?“, fragte sie verwirrt.
Ihre Großmutter lächelte. „Du bist nur kurz eingeschlafen, mein Schatz.“
Doch Mary wusste, dass es kein Traum gewesen war. Denn in ihrer Hand hielt sie einen kleinen, weichen Kuschelrochen.

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