Der Duft des verbotenen Phönix
Kapitel 1: Der Ball der tausend Laternen
Der Kaiserpalast erstrahlte in goldenem Licht. Überall raschelten schwere Seidengewänder, und der Duft von Sandelholz lag in der schweren Abendluft. Meilin, die Tochter eines verarmten Generals, strich sich nervös über ihr jadegrünes Kleid. „Halte den Kopf hoch, Meilin”, zischte ihre Tante und fächerte sich hektisch Luft zu. „Wenn der Kronprinz dich heute nicht bemerkt, ist unsere Familie ruiniert.”
„Ich bin nicht hier, um eine Trophäe zu sein, Tante”, erwiderte Meilin leise. Ihr Blick wanderte zu dem dunklen Waldrand, der an die Palastmauer grenzte. Dort, wo die Schatten am dichtesten waren, hatte sie ein blaues Leuchten gesehen. Plötzlich verstummten die Gespräche. Die Wachen stießen ihre Speere auf den Boden. „Seine Hoheit, Prinz Longwei!”, rief der Herold. Ein Mann in tiefschwarzer Robe, bestickt mit silbernen Drachen, trat in den Saal. Sein Gesicht war wie aus Marmor gemeißelt, doch seine Augen wirkten müde – als hätte er Dinge gesehen, die kein Sterblicher ertragen konnte. Sein Blick blieb an Meilin hängen, nicht wegen ihrer Schönheit, sondern wegen des Dolches, den sie unter ihrem Ärmel versteckt hielt.
Kapitel 2: Ein gefährliches Bündnis
Später am Abend fand sich Meilin allein im Mondscheingarten wieder. Das blaue Leuchten war zurückgekehrt und kam von einer alten Steinlaterne, die seit Jahrzehnten nicht mehr gebrannt hatte. „Du solltest nicht hier sein”, ertönte eine tiefe Stimme hinter ihr. Meilin wirbelte herum und griff nach ihrem Dolch, doch Prinz Longwei war schneller. Er hielt ihr Handgelenk mit eisernem Griff fest. „Ein Dolch der Schatten-Sekte bei einer jungen Dame am Hof? Wer hat dich geschickt, um mich zu töten?”
„Ich bin nicht hier, um dich zu töten, Hoheit”, keuchte Meilin und sah ihm direkt in die Augen. „Ich bin hier, um das Siegel zu bewachen. Die Dämonenjäger der Schatten-Sekte wissen, dass das Tor unter diesem Palast bricht.” Longwei ließ sie los und trat einen Schritt zurück. Sein herrischer Ausdruck bröckelte. „Du weißt also vom Fluch des Phönix?”
„Mein Vater starb, um ihn zu binden”, sagte Meilin stolz. „Und jetzt bin ich an der Reihe.”
Kapitel 3: Das Blut des Verräters
Noch bevor der Prinz antworten konnte, erschütterte ein dumpfer Schlag den Boden. Die Steinlaterne zerbrach, und schwarzer Rauch quoll aus den Ritzen des Pflasters. „Sie sind hier!”, rief Meilin und zog ihren Dolch blank. Die Klinge begann in einem hellen Weiß zu glühen. Aus dem Schatten der Bäume traten Gestalten in kaiserlichen Garderüstungen, doch ihre Augen waren vollkommen schwarz. „Verrat…” flüsterte Longwei und zog sein Schwert. „Meine eigene Garde wurde korrumpiert.”
„Wir können sie nicht alle bekämpfen, nicht hier im Offenen”, sagte Meilin, während sie einen Angreifer mit einem gezielten Tritt zurückstieß. „Wir müssen in den geheimen Tunnel unter dem Thronsaal. Aber der einzige Weg dorthin führt durch die kaiserliche Bibliothek – und die brennt bereits!” Meilin sah die lodernden Flammen, die an den kostbaren Schriftrollen der Bibliothek leckten. Der Rauch stieg schwarz in den Nachthimmel über der Kaiserstadt.
Kapitel 4: Das Herz aus Eis und Feuer
„Die Bibliothek!”, rief Meilin. „Dort lagern die alten Bannsprüche. Wenn sie verbrennen, verlieren wir das Wissen, wie man das Tor für immer schließt!” Longwei packte ihren Arm. „Es ist zu gefährlich, Meilin! Das Feuer ist magisch entfacht, gewöhnliches Wasser wird es nicht löschen.” Meilin schloss die Augen und spürte die Kälte in ihrem Blut – das Erbe ihrer Mutter, die aus den schneebedeckten Bergen des Nordens stammte. „Vertrau mir, Prinz.” Sie rannte auf das brennende Gebäude zu. Die Hitze war unerträglich, doch als sie ihre Hand ausstreckte, bildete sich Reif auf ihren Fingerspitzen. Mit einem Schrei ließ sie ihre innere Kraft frei. Eine Welle aus purem Eis schoss aus ihren Handflächen und hüllte die Flammen in Sekundenbruchteilen in glitzernden Frost. Die folgende Stille war gespenstisch.
Kapitel 5: Der Verrat im Thronsaal
Sie hasteten durch die gefrorenen Trümmer der Bibliothek zu einer Geheimtür hinter einem riesigen Wandteppich. Die Tunnel waren eng und feucht, doch sie führten direkt unter den Thronsaal. „Hörst du das?”, flüsterte Longwei und blieb abrupt stehen. Von oben drangen Stimmen herab. Es war nicht die Stimme des Kaisers. Es war die des Großwesirs, des engsten Beraters von Longweis Vater. „…sobald der Prinz und das Mädchen tot sind, wird der Phönix erwachen und mir die Unsterblichkeit schenken”, tönte die Stimme des Wesirs. „Das Siegel ist fast gestorben.” Meilin sah Longwei an. Sein Gesicht war von Zorn geprägt. Er zog sein Schwert, das nun golden leuchtete. „Er hat meinen Vater verhext.”
„Warte”, sagte Meilin und hielt ihn zurück. „Sieh dir das Siegel am Boden an.” In der Mitte des Raumes pulsierte ein rissiger Stein in Form eines Phönix. Schwarzes Blut sickerte in die Risse. Der Wesir hielt einen rituellen Dolch über dem schlafenden Kaiser. „Er braucht kaiserliches Blut, um das Siegel endgültig zu zerstören!”, erkannte Meilin entsetzt.
Kapitel 6: Die letzte Wahl
Der Wesir hob den Dolch. „Ein kleiner Schnitt, mein Kaiser, und eine neue Ära beginnt!”
„STOPP!”, brüllte Longwei und brach durch die Falltür in den Thronsaal. Die Wachen des Wesirs stürzten sich sofort auf ihn. Meilin wirbelte ihre Klinge und hielt zwei Angreifer auf Distanz, während Longwei sich mühsam zum Thron vorkämpfte. Doch der Wesir lachte nur. Er hielt den Dolch nun nicht mehr an die Kehle des Kaisers, sondern an seine eigene Brust. „Ihr versteht nicht”, grinste der Wesir. „Ich brauche kein fremdes Blut. Ich habe mein eigenes bereits mit der Dunkelheit verbunden. Mein Tod wird das Siegel sprengen!” Meilin sah den Wahnsinn in den Augen des Wesirs und wusste, dass sie ihn nicht rechtzeitig erreichen würde, um seinen Dolchstoß zu stoppen.
Kapitel 7: Das Herz aus ewigem Frost
„Longwei, beschütze deinen Vater!”, schrie Meilin. Ohne zu zögern, warf sie sich flach auf das pulsierende Phönix-Siegel in der Mitte des Saals. Im Moment, als der Wesir sich die Klinge in die eigene Brust stieß, schoss eine Fontäne aus schwarzem, brennendem Blut hervor. Die dunkle Energie raste wie ein Blitz auf das Siegel zu, um den gefangenen Dämonen-Phönix zu wecken. Meilin presste ihre Handflächen auf den kalten Stein. „Eis der zehntausend Winter, antworte mir!”, beschwor sie ihre Ahnen. Ein blendendes blaues Licht erfüllte den Thronsaal. Die schwarze Energie prallte auf Meilins Körper, doch statt sie zu zerfetzen, wurde sie von einer Schicht aus massivem Eis umschlossen. Meilin spürte, wie ihr eigenes Herz langsamer schlug, wie die Kälte in ihre Knochen kroch und ihre Glieder versteifte. Sie wurde eins mit dem Siegel.
Kapitel 8: Das Erwachen der Legende
Stille kehrte in den Palast ein. Die korrumpierten Wachen brachen wie Marionetten zusammen, deren Fäden durchschnitten wurden. Longwei stürmte auf die Mitte des Raumes zu. Dort, wo das Siegel gewesen war, ragte nun eine Statue aus reinstem, blauem Eis empor. Meilin war darin gefangen, ihre Augen geschlossen, ihre Hände noch immer flach auf dem Boden. Sie sah aus wie eine schlafende Göttin, wunderschön und unendlich fern. „Meilin!”, rief Longwei und schlug mit dem Griff seines Schwertes gegen das Eis, doch es gab nicht nach. Es war härter als Diamant. „Nein… nicht so. Das war nicht der Plan!”
Der Kaiser, nun befreit vom Zauber des Wesirs, erhob sich mühsam von seinem Thron. Er legte seinem Sohn eine Hand auf die Schulter. „Sie hat sich geopfert, um das Reich zu retten, Longwei. Sie ist nun die wahre Wächterin des Phönix.” Plötzlich bemerkte Longwei einen feinen Riss im Eis, direkt über Meilins Herzen. Ein winziger, goldener Funke begann darin zu leuchten. Es war nicht die dunkle Macht des Wesirs – es war die reinigende Flamme des Phönix, die auf Meilins Reinheit reagierte. Plötzlich schmolz das Eis, und Meilin stand auf. Sie war verändert, hatte die Flügel des Phönix. Als Meilin den Wesir sah, wurde sie wütend, und eine gewaltige Hitzewelle erfasste ihn. Der Wesir war nun für immer verschwunden, und das Dorf feierte den Sieg.
Der Kaiser ging auf Meilin zu und dankte ihr von ganzem Herzen: „Ich danke dir von ganzem Herzen.” Nun war Meilin die Wächterin des Phönix und des Dorfes. Sie schützte das Dorf mit ihrem Leben. Irgendwann gestand Longwei ihr seine Liebe, und sie heirateten. Später bekamen sie drei Kinder: Xiao Mei, Ji Bozai und Xiao Pingjing.
Das könnte dich auch interessieren
Über den Youtuber Ukri
Mai 8, 2025
KG GRÜN WEIẞ HAMM 1961 ev.
März 18, 2026